Urlaub in NRW boomt – Tourismus sorgt für Milliardeneinnahmen

Der Tourismus ist für Nordrhein-Westfalen ein Milliardengeschäft. Das belegt eine neue DIW-Econ-Studie, die Tourismus NRW und IHK NRW kurz vor Beginn der Sommerferien vorgestellt haben. Weitere Untersuchungen zeigen, dass insbesondere inländische Urlaubsreisende NRW zunehmend für sich entdecken.

„Urlaub in NRW erlebt vor allem bei inländischen Reisenden einen regelrechten Boom“, erklärt Dr. Heike Döll-König, Vorstandsvorsitzende des touristischen Landesverbands. So habe das Bundesland 2025 rund 5,4 Millionen mehrtägige Urlaubsreisen durch inländische Gäste verbucht. Verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 war das ein Plus von 40 Prozent. Mit einem Anteil von 43 Prozent stammte die wichtigste Gästegruppe weiterhin aus Nordrhein-Westfalen selbst. Ihr Anteil hat sich sogar vergrößert.

„Die Tourismuswirtschaft hat große Potenziale, steht aber zugleich vor erheblichen Herausforderungen. Die Betriebe müssen wirtschaftlich erfolgreich arbeiten, Fachkräfte langfristig binden und gleichzeitig in die Zukunft ihrer Unternehmen investieren. Steigende Arbeitskosten, sinkende Margen und unsichere Rahmenbedingungen erschweren dies insbesondere im personalintensiven Gastgewerbe. Die aktuellen IHK-Konjunkturumfragen zeigen: Viele Unternehmen planen deshalb vorsichtiger – sowohl beim Personal als auch bei Investitionen. Damit der Tourismus auch künftig Wertschöpfung schafft, Arbeitsplätze sichert und die Attraktivität unserer Regionen stärkt, braucht die Branche verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit“, erklärt Petra Pigerl-Radtke, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwestfalen für IHK NRW. 

Große Zuwächse bei Urlaubsreisen

Besonders beliebt sind nach wie vor Kurzreisen nach NRW. Die zwei- bis viertägigen Reisen machen in Nordrhein-Westfalen 75 Prozent aller Urlaubsreisen aus. Deutschlandweit hält das Bundesland in dem Segment hinter Bayern den zweiten Platz. Im Vergleich zu 2019 legte die Zahl der Kurzurlaubsreisen in NRW um 41 Prozent zu.

Stark entwickelt hat sich auch die Zahl der längeren Reisen. So haben Reisen mit vier bis neun Nächten gegenüber 2019 um fast 22 Prozent zugelegt. Die Zahl der Reisen mit mindestens zehn Nächten hat sich sogar fast verdoppelt. Allerdings ist ihr Anteil mit 4,3 Prozent weiterhin vergleichsweise gering.

Verändertes Reiseverhalten im Businesstourismus

Rückgänge gab es hingegen im Businesssektor. Dieser liegt nach wie vor unter dem Vor-Corona-Niveau. Ein wesentlicher Grund ist die deutlich gewachsene Zahl an digitalen Meetings, die vor allem kürzere analoge Treffen ersetzt haben. Von den ein- und mehrtägigen Reisen nach NRW machten Geschäftsreisen 2025 nur noch 13 Prozent aus. 2019 waren es noch 16 Prozent. Was auffällt: Der Anteil der mehrtägigen Reisen an allen Businessreisen nahm zu. 2025 waren es 41 Prozent, 2019 nur 34 Prozent – ein weiterer Beleg dafür, dass vor allem kürzere Meetings durch digitale Alternativen ersetzt wurden.

Gästezufriedenheit gestiegen

Die Zufriedenheit mit dem Reiseland Nordrhein-Westfalen ist unter allen Gästen gestiegen. So gaben 2025 mehr als 94 Prozent an, zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihrem Aufenthalt in NRW gewesen zu sein. Diese Zahl ist zwar nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr, aber es gibt eine Verschiebung innerhalb der Skala: So ist der Anteil der „sehr gut“-Urteile von 57 auf über 59 Prozent gewachsen. Dies zeigt, dass sich die Intensität der positiven Wahrnehmung verstärkt hat.

Auch von der Unternehmensseite gibt es positive Nachrichten: So verbuchte das nordrhein-westfälische Gastgewerbe 2025 zum dritten Mal in Folge mehr Geschäftsgründungen als -aufgaben. Treiber war dabei das Beherbergungssegment.

46 Milliarden Euro Konsumausgaben durch den Tourismus

DIW Econ, eine Tochtergesellschaft des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), hat in einer neuen Studie die wirtschaftlichen Effekte des Tourismus in Nordrhein-Westfalen untersucht. Demnach gaben Reisende in Nordrhein-Westfalen 2024 rund 46 Milliarden Euro aus. Die Aktivitäten der Tourismuswirtschaft leisteten einen direkten Beitrag zur Wirtschaftsleistung (Bruttowertschöpfung) in Höhe von 18,3 Milliarden Euro. Hinzukamen noch einmal 11,2 Milliarden Euro an indirekter Bruttowertschöpfung. Hierbei sind die Auswirkungen auf Branchen berücksichtigt, die der Tourismuswirtschaft vorgelagert sind und von dieser profitieren. Durch die direkte und indirekte Bruttowertschöpfung ist die Tourismusbranche in Nordrhein-Westfalen wirtschaftlich so bedeutend wie der Energie- und Wasserversorgungssektor.

Gegenüber 2017, als der Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW zum letzten Mal untersucht wurde, ist insbesondere das touristische Kerngeschäft aus Beherbergung und Aktivitäten deutlich gewachsen. Insgesamt allerdings blieb der touristische Konsum, der 2017 bei 45,9 Milliarden Euro lag, nahezu unverändert. Dies hat mehrere Gründe:

  • Insbesondere sind die Ausgaben der Reisenden für Transportleistungen massiv gesunken. Grund ist vor allem das Deutschlandticket, das für viele Reisen, insbesondere Tagesausflüge, genutzt wird. Wer das Deutschlandticket ohnehin besitzt, hat keine weiteren Fahrtkosten, die ihm speziell durch die Reise entstehen.
  • Auch beim Shopping sind die Ausgaben stark gesunken. Hier spielen allgemeine Konsumveränderungen hin zu mehr Einkäufen im Online-Handel eine wesentliche Rolle.
  • Zudem wurden 2024 deutlich weniger Tagesreisen unternommen. Das Tagesreisegeschäft reagiert grundsätzlich stärker auf gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen, in dem Fall die wirtschaftliche und geopolitische Lage, die sich in Konsumzurückhaltung bemerkbar macht. Außerdem ist zu beobachten, dass viele Menschen zwar weiterhin Ausflüge unternehmen oder Essen gehen, dies jedoch verstärkt am Wohnort tun. Damit entsteht zwar Konsum, der aber nicht dem Tourismus zugerechnet wird, auch wenn zum Teil klassische touristische Infrastruktur genutzt wird. Dies bedeutet, dass der Tourismus zwar die Lebensqualität der Einheimischen steigert, der entstehende Umsatz aber nicht in der Berechnung enthalten ist. Dies macht sich auch in der Zahl der Beschäftigten bemerkbar. Die Zahl der direkt im Tourismus Beschäftigten lag 2024 bei 355.000. In den Zulieferbranchen der Tourismuswirtschaft waren aufgrund des touristischen Konsums weitere rund 128.000 Erwerbstätige indirekt beschäftigt. Zum Vergleich: 2017 lagen die Zahlen noch bei knapp 468.000 direkt und 180.000 indirekt Beschäftigten.

Weniger Besuche in Freizeit- und Kultureinrichtungen

Die gesunkene Zahl an Tagesreisen machte sich 2025 auch in weiten Teilen der Freizeit- und Kultureinrichtungen bemerkbar. So gab es zwar bei den Denkmälern, Schlössern und Burgen ein großes Besuchsplus und auch Natur- und Landschaftsattraktionen wie Höhlen konnten ein kleines Plus gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Alle anderen Bereiche verbuchten jedoch rückläufige Besuchszahlen.

Auch die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt trotz der vielen guten Nachrichten eine angespannte Stimmung in der nordrhein-westfälischen Tourismusbranche. Die Erwartungen sind recht pessimistisch, Investitionspläne rückläufig.

Blick auf die Sommerferien

Mit Blick auf die Sommerferien überwiegt trotzdem die Zufriedenheit mit Nachfrage und Auslastung, wie eine gemeinsame Betriebsumfrage von Tourismus NRW und Dehoga NRW zeigt. Knapp 52 Prozent der rückmeldenden Betriebe sind danach zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Besonders stechen dabei Betreibende von Campingplätzen und Ferienwohnungen oder -häusern hervor.

Verglichen mit dem vergangenen Jahr bewertet allerdings mehr als ein Drittel der Betriebe die Nachfrage schlechter (39 Prozent). Als Grund geben 81 Prozent von ihnen die schlechte wirtschaftliche Lage der Gäste an. Fast ein Viertel der Betriebe (24 Prozent) berichtet hingegen von einer gestiegenen Nachfrage. Sie sehen vor allem Marketingmaßnahmen und einen Ausbau oder eine Attraktivierung ihres Angebots als Grund.

Auf die kommenden drei Monate blicken 63 Prozent und damit fast zwei Drittel der 300 antwortenden Betriebe positiv. Besonders hoffnungsvoll sind die Freizeiteinrichtungen und die Campingplätze.

Die Studie zum Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW finden Sie hier: Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW.

Das gesamte touristische Datenbarometer finden Sie hier: Datenbarometer

Fotomaterial

Die Sonne scheint auf den Rinsley-Felsen am Walderlebnispfad Saalhausen im Sauerland.
© Tourismus NRW e.V./Johannes Höhn

Bilddatenbank

Umfangreiches Bildmaterial zum Reiseland Nordrhein-Westfalen gibt es auf dem flickr-Kanal des Tourismus NRW.

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