„Nicht mehr Gäste machen den Unterschied, sondern mehr Zeit und Wertschöpfung pro Gast“

Visit Düsseldorf hat auf dem Tourismustag eine neue Tourismusstrategie für die Landeshauptstadt vorgestellt. Geschäftsführer Jens Ihsen erklärt im Interview die Kerngedanken von „Future of Tourism Düsseldorf“ und was die neue Strategie ausmacht.

Jens Ihsen, Geschäftsführer von Düsseldorf Tourismus
© Visit Düsseldorf

Wenn Sie die neue Tourismusstrategie auf drei Schlagworte reduzieren müssten, welche wären das?

Jens Ihsen: Qualität, Aufenthaltsintensität und Aktivierungs- & Kooperationspartner. Wir setzen bewusst nicht auf weiteres Wachstum um jeden Preis, sondern auf einen Tourismus, der intensiver wirkt: längere Aufenthalte, höhere Wertschöpfung pro Gast und eine Entwicklung, die von der Stadtgesellschaft getragen wird. Gleichzeitig verstehen wir Tourismus stärker als Gemeinschaftsaufgabe – innerhalb der Stadt, aber auch im regionalen und landesweiten Kontext.

Wo sehen Sie die größten Unterschiede zur bisherigen Arbeit?

Ihsen: Der zentrale Unterschied liegt im Blickwinkel. Früher haben wir – wie viele Destinationen – stark auf Sichtbarkeit und Inspiration am Anfang der Guest Journey gesetzt. Heute denken wir deutlich konsequenter anlassgetrieben. Düsseldorf ist eine ausgeprägte Event‑ und Messestadt. Viele Gäste kommen ohnehin aufgrund eines Events zu uns – nur bleiben sie oft eher kurz.

Heute denken wir deutlich konsequenter anlassgetrieben. 

Jens Ihsen
Geschäftsführer Visit Düsseldorf

Die neue Strategie setzt genau dort an: Wir nutzen diese Anlässe gezielt als Startpunkt, um Aufenthalte zu verlängern, zusätzliche Erlebnisse anzubieten und damit die wirtschaftliche Wirkung deutlich zu erhöhen. Es geht weniger um neue Besucherströme als um bessere Nutzung bestehender Nachfrage.

Auch das stärkere Mitdenken der Einheimischen ist ein wichtiger Bestandteil der Strategie. Wie wurde der Aspekt inhaltlich verankert?

Ihsen: Die Perspektive der Düsseldorferinnen und Düsseldorfer auf den Tourismus war Teil der strategischen Ausgangslage. Wir haben dazu eine Tourismusakzeptanzbefragung durchgeführt und uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Tourismus vor Ort wahrgenommen wird.

Die Ergebnisse zeigen: Die große Mehrheit der Menschen steht dem Tourismus positiv gegenüber. Diese Akzeptanz und die Düsseldorfer Gastfreundschaft sind eine enorme Stärke – und zugleich ein klarer Auftrag. Unsere Strategie setzt deshalb auf Qualitätstourismus, der die Düsseldorfer Superkraft – die Atmosphäre – sichert, und auf Angebote, die auch für Einheimische relevant sind. Denn nur eine lebenswerte Stadt bleibt langfristig auch eine attraktive Destination.

Nur eine lebenswerte Stadt bleibt langfristig auch eine attraktive Destination.

Jens Ihsen
Geschäftsführer Visit Düsseldorf

Gibt es bereits konkrete Ansatzpunkte oder Maßnahmen, um dieses Zusammenspiel weiter zu stärken?

Ihsen: Ein zentraler Hebel ist die produktseitige Weiterentwicklung von Anlässen. Wir denken Events und andere Anlässe, wie Messen, konsequent vom Aufenthalt her weiter – also nicht als Einzelereignis, sondern als Ausgangspunkt für zusätzliche Wertschöpfung.

Konkret heißt das: Wir verknüpfen bestehende Anlässe systematisch mit ergänzenden Angeboten. Bei großen Eventreihen wie der Backstreet-Boys-Residency inspirieren wir Partner aus der Stadt, begleitende Kultur- und Gastronomieangebote zu entwickeln, die gezielt auf eine Verlängerung des Aufenthalts einzahlen. Gleichzeitig achten wir wie bereits erwähnt darauf, dass diese Angebote auch für die Stadtgesellschaft relevant sind. Formate wie die „DüsselMoments“ oder das auf zwei Tage weiterentwickelte Art:walk Festival, die frühere "Nacht der Museen", schaffen bewusst Mehrwert für Gäste und Einheimische gleichermaßen und stärken so die Akzeptanz vor Ort. 

Ein weiterer wichtiger Baustein sind datenbasierte Entscheidungen. Wir analysieren Daten beispielsweise zum Karneval oder auf dem Weihnachtsmarkt, um Angebote perspektivisch besser zu steuern und gezielter zu aktivieren. Aus unserer Sicht liegt hier ein Ansatz, der gerade für urbane Eventdestinationen relevant ist: Anlässe nicht isoliert zu betrachten, sondern sie strategisch zu Aufenthalten weiterzuentwickeln und damit Wirkung, Wertschöpfung und Akzeptanz gleichermaßen zu stärken.

Welcher Teil der neuen Strategie liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Ihsen: Was mir persönlich besonders am Herzen liegt, ist, dass wir den Tourismus in Düsseldorf nicht über Masse, sondern über Qualität und echten Mehrwert weiterentwickeln – für Gäste, Wirtschaft und Stadtgesellschaft. Deshalb setzen wir konsequent auf Qualitätstourismus statt auf Volumen und auf mehr Aufenthaltszeit der passenden Zielgruppen, nicht einfach auf höhere Besucherzahlen. Das erreichen wir, indem wir unsere starken Anlässe – Messen, Kultur und Events – gezielt als Relevanzanker nutzen und sie mit kuratierten Erlebnissen verknüpfen: Anlass plus Story ergibt Wertschöpfung. 

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