Landestourismusstrategie nimmt Einheimische stärker in den Fokus
Wie soll sich der Tourismus in Nordrhein-Westfalen in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Diese Frage stellen sich aktuell Tourismusfachleute im Land. Sie wollen die bestehende Landestourismusstrategie von 2019 fortschreiben. Erste Eckpunkte hat der touristische Landesverband Tourismus NRW beim Tourismustag NRW x Ruhrgebiet in Dortmund vorgestellt. Zentraler Punkt dabei: Neben klassischen Kennzahlen wie Übernachtungen und touristischen Konsumausgaben tritt die Wirkung des Tourismus stärker in den Fokus und damit erstmals auch die einheimische Bevölkerung. An der Veranstaltung nahm auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur teil.
„Tourismus ist weit mehr als das, was Gäste während ihres Aufenthalts ausgeben. Touristische Angebote prägen Orte und Regionen und tragen dazu bei, dass sie lebenswerter und attraktiver werden – für Gäste genauso wie für die Menschen, die hier zuhause sind. Es geht also darum, Gäste willkommen zu heißen und zugleich Lebensräume so zu gestalten, dass sie für Einwohnerinnen und Einwohner attraktiv sind. Diese Perspektive wollen wir künftig noch konsequenter in der touristischen Entwicklung Nordrhein-Westfalens verankern“, erklärt Dr. Heike Döll-König, Vorstandsvorsitzende von Tourismus NRW.
NRW-Wirtschaftsministerin Neubaur begrüßt den Schritt: „Nordrhein-Westfalen ist ein starkes Reiseland. Wer zu uns kommt, findet Industriekultur, Natur und Städte mit Charakter. Davon profitieren Hotels, Gastronomie und Handel, aber auch die Menschen, die hier leben. Dass die Branche diesen Blick jetzt schärft, ist der richtige Weg. Guter Tourismus macht eine Region nicht nur für Gäste attraktiver, sondern auch für alle, die hier zu Hause sind.“
Den Einheimischen kommen in der weiterentwickelten Strategie gleich mehrere Rollen zu: Zum einen können sie als Gäste selbst die touristischen Angebote im Land nutzen und von einem attraktiven Umfeld profitieren. Zum anderen sollen sie stärker als bisher in die Entwicklung des Tourismus einbezogen werden.
Einheimische werden in touristischen Angeboten mitgedacht
Bereits heute gibt es in NRW zahlreiche Beispiele aus dem Tourismus, bei denen Einheimische mitgedacht werden oder sogar die größte Nutzergruppe stellen. So hat etwa Ruhr Tourismus mit der Ruhr.Topcard ein etabliertes Produkt geschaffen, das Freizeit- und Kultureinrichtungen der Region bündelt und für Menschen vor Ort wie für Gäste zugänglich macht. Zugleich zeigen neue Ansätze wie das Projekt Urban.Trails, wie urbane Räume, Industriekultur, Bewegung und Alltagsorte miteinander verknüpft werden können und neue Perspektiven auf Stadt und Region eröffnen.
Und auch auf Landesebene gibt es Angebote, die sich an Gäste und Einheimische gleichermaßen richten: Der KI-gestützte Erlebnisplaner NRWow von Tourismus NRW etwa stellt individuelle Tagesreisen für alle, die dies möchten, zusammen. Und selbst moderne Tourist-Infos sind längst zu Treffpunkten für alle geworden. Mikroabenteuer unweit der eigenen Haustür gehören zu den Trends im Tourismus und tragen als kleine Auszeit aus dem Alltag zur Erholung und damit langfristig zur Gesundheit bei.
Hohe Akzeptanz für Tourismus in NRW
„Das Ruhrgebiet zeigt sehr konkret, dass Tourismus mehr ist als Gästeaufkommen. Er macht eine Transformationsregion lesbar, stärkt Identifikation und schafft Lebensqualität für die Menschen vor Ort. Entscheidend ist, touristische Wertschöpfung und regionale Entwicklung zusammenzudenken. Wenn Menschen ihre eigene Region gerne nutzen, erleben und weiterempfehlen, ist das ein starkes Fundament für die Zukunft des Tourismus“, betont Axel Biermann, Geschäftsführer von Ruhr Tourismus. Die Tourismusorganisation hat den Tourismustag gemeinsam mit Tourismus NRW in der Kokerei Hansa ausgerichtet – einem Ort, der beispielhaft für den Wandel des Ruhrgebiets und die touristische Kraft der Industriekultur steht.
Dass viele Einheimische den Tourismus in NRW zu schätzen wissen, lässt sich mit Zahlen belegen: 83 Prozent gaben in einer Umfrage 2025 an, dass der Tourismus für NRW wichtig sei.
KI und Klimawandel als Herausforderungen
Zu den zentralen Herausforderungen für die kommenden Jahre zählen die Fachleute unter anderem die Digitalisierung und den Einsatz von KI sowie den Ausbau eines nachhaltigen Tourismus und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Zudem setzt die weiterentwickelte Landestourismusstrategie auf eine breitere Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg. Unter anderem soll es stärkere Kooperationen mit Kommunen, Wirtschaftsförderungen, Einzelhandel oder Mobilitätsanbietern geben, um Kompetenzen miteinander zu verknüpfen und gemeinsam den Standort Nordrhein-Westfalen zu stärken.
Auch die Rolle touristischer Organisationen soll sich weiterentwickeln. Neben der Vermarktung gewinnen strategische Entwicklung, Netzwerk- und Wissensmanagement sowie die Unterstützung und Befähigung von Partnern an Bedeutung.
Vorstellung der weiterentwickelten Strategie auf der ITB 2027
Das beim Tourismustag vorgestellte Eckpunktepapier bildet die Grundlage für die weitere Ausarbeitung der weiterentwickelten Tourismusstrategie. Das Ergebnis soll auf der ITB 2027 vorgestellt werden. An der Entwicklung sind neben dem touristischen Landesverband Tourismus NRW insbesondere die regionalen Tourismusorganisationen, der Dehoga, der Einzelhandelsverband, die Industrie- und Handelskammern, „Regionen.NRW“ als regionale Entwicklungsgesellschaften und die Naturparke im Land beteiligt.
Der Tourismustag in Dortmund stand unter dem Motto „Werte, Wandel, Wirkung – NRW-Tourismus 2030“. An der Veranstaltung nahmen rund 250 Fachleute aus Tourismus und Politik teil.
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