Beethoven, Berge und Bleisure – Was der neue Tourismuschef in Bonn vorhat
Seit Anfang des Jahres ist Daniel Letocha neuer Geschäftsführer von Tourismus & Congress Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler (T & C). Welche Akzente er in seiner neuen Position setzen möchte und wie er aus Business-Gästen häufiger auch Freizeitgäste machen will, verrät er im Interview.

Sie führen den Tourismusverband für Bonn und die Umgebung seit einem halben Jahr. Worauf haben Sie zum Start Ihren Fokus gelegt?
In den ersten Wochen habe ich vor allem versucht, möglichst viele Gespräche in der gesamten Region zu führen – mit Kommunen sowie Akteuren aus Hotellerie, Gastronomie, Veranstaltungswirtschaft und Freizeitangeboten. Dazu gehörten bewusst auch viele Abendveranstaltungen, Branchentreffen und Netzwerkformate – etwa bei der IHK oder innerhalb touristischer und wirtschaftlicher Netzwerke der Region.
Auch wenn ich im Rhein-Sieg-Kreis aufgewachsen bin und die Region seit vielen Jahren kenne, bekommt man noch einmal einen anderen Blick darauf, wenn man sie aus touristischer Perspektive in ihrer Gesamtheit betrachtet.
Dabei merkt man schnell, wie groß und vielfältig diese Destination eigentlich ist. Viele reduzieren uns zunächst auf die Bundesstadt Bonn – tatsächlich sprechen wir aber über eine Region mit rund einer Million Menschen und ganz unterschiedlichen touristischen Erlebnisräumen.
Genau darin liegt aus meiner Sicht eine der größten Chancen: Wir verbinden Beethoven, internationales Bonn und Kongressgeschäft mit Natur- und Aktivtourismus, dem Siebengebirge als Tor zum romantischen Rhein, der Naturregion Sieg, der Voreifel und dem Ahrtal.
Unsere Aufgabe als regionale Tourismusorganisation besteht auch darin, diese unterschiedlichen Angebote, Akteure und Erlebnisräume stärker miteinander zu vernetzen und daraus ein gemeinsames touristisches Gesamtbild für Gäste und Partner entstehen zu lassen.
Sie sagten es gerade: Die T&C vertritt eine sehr heterogene Region mit ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten: Bonn hat einen klaren Fokus auf Kultur und Business, im Siebengebirge und im Ahrtal geht es eher um Wandertourismus. Dazu spielt auch noch der Radtourismus in Ihrer Region eine Rolle – alles beste Voraussetzungen, um das Bleisure-Geschäft zu verstärken, oder?
Absolut. Bonn bringt als Bundesstadt, UN-Standort sowie Kongress-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort bereits eine hohe internationale Nachfrage mit. Hinzu kommen globale Unternehmen und Institutionen wie DHL, Deutsche Telekom oder die Deutsche Welle sowie zahlreiche internationale Organisationen und NGOs, die regelmäßig Gäste aus aller Welt in die Region bringen.
Gerade daraus ergeben sich enorme Chancen für das Bleisure-Segment. Entscheidend ist aus meiner Sicht aber, potenzielle Gäste frühzeitig zu erreichen – also bereits in der Planungs- und Buchungsphase von Kongressen, Tagungen oder Veranstaltungen. Denn die Entscheidung, einen Aufenthalt um ein oder zwei Tage zu verlängern, fällt häufig lange vor der eigentlichen Reise.
Deshalb wird es künftig noch wichtiger, frühzeitig in die Kommunikation rund um größere Veranstaltungen eingebunden zu sein und dort sichtbar zu machen, was die Region zusätzlich bietet – vom Siebengebirge als Tor zum romantischen Rhein über Kulturangebote bis hin zu Natur-, Genuss- und Aktivtourismus.
Die Wege zwischen urbanem Angebot, Kultur und Natur sind bei uns außergewöhnlich kurz. Genau diese Verbindung aus internationalem Business-Standort und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten macht die Region so spannend.
Bleisure bietet für Bonn und die Region dabei einen ganz konkreten touristischen Hebel: Viele Gäste sind bereits beruflich vor Ort. Die zentrale Zukunftsfrage lautet deshalb aus meiner Sicht weniger, wie wir ausschließlich zusätzliche Gäste gewinnen, sondern vielmehr, wie es gelingt, bestehende Nachfrage stärker in Aufenthaltsdauer, regionale Erlebnisse und zusätzliche touristische Wertschöpfung zu übersetzen. Bereits eine geringe Verlängerung der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer um wenige Zehntel Nächte würde in einer Region unserer Größenordnung zusätzliche touristische Wertschöpfung in Millionenhöhe erzeugen.


