200 Jahre KD: "Beständigkeit bedeutet nicht, alles gleich zu lassen."
Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt, kurz KD, feiert in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag. Damit ist sie eines der traditionsreichsten touristischen Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Geschäftsführerin Nina Luig spricht im Interview über Veränderungen, Gästeerwartungen und darüber, was andere touristische Akteure von der KD lernen können.

200 Jahre KD – das ist eine beeindruckende Zeitspanne. Solch ein Jubiläum schafft man nur, wenn man sich immer wieder ein Stück neu erfindet. Gibt es trotzdem etwas, das bis heute im Kern so geblieben ist wie vor 200 Jahren?
Ich glaube, der Kern der KD hat sich in 200 Jahren nie verändert: Wir bringen Menschen zusammen.
Vor 200 Jahren haben wir Städte entlang des Rheins miteinander verbunden. Heute verbinden wir vor allem Menschen: Familien, Freunde, Kolleginnen und Kollegen oder Geschäftspartner. Unsere Gäste steigen an Bord, um eine Auszeit vom Alltag zu erleben, gemeinsam Zeit zu verbringen und Erinnerungen zu schaffen.
Natürlich hat sich unser Unternehmen enorm weiterentwickelt. Aus einer klassischen Reederei ist heute eine moderne Hospitality- und Erlebnisplattform auf dem Wasser geworden. Aber unser Auftrag ist derselbe geblieben: Menschen besondere Momente zu schenken.
Der Rhein ist dabei weit mehr als unsere Strecke. Er ist unsere Bühne. Und genau darin liegt für mich die besondere Stärke der KD: Wir bewahren unsere Tradition, ohne an ihr festzuhalten. Wir entwickeln sie kontinuierlich weiter.
Und wenn wir auf die andere Seite schauen: Was hat sich aus Ihrer Sicht in den vergangenen 20 Jahren am meisten verändert?
Vor 20 Jahren stand häufig noch die Schifffahrt selbst im Mittelpunkt. Heute suchen Menschen vor allem Erlebnisse.
Sie möchten gemeinsam genießen, gut essen, besondere Orte entdecken und Zeit miteinander verbringen. Genau darauf haben wir unser Angebot ausgerichtet. Unsere Schiffe sind längst nicht mehr nur Verkehrsmittel – sie sind Orte für Begegnungen, Genuss und außergewöhnliche Veranstaltungen.
Ich bin überzeugt, dass genau darin die Zukunft des Tourismus liegt: Menschen buchen heute nicht einfach eine Fahrt. Sie buchen ein Gefühl und Erinnerungen, die bleiben.
Im Destinationsmarketing sprechen wir viel darüber, dass sich die Gästebedürfnisse in den vergangenen Jahren sehr gewandelt haben. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Unsere Gäste wünschen sich heute Individualität statt Standardprogramme. Sie möchten authentische Erlebnisse, regionale Produkte und einen Service, der persönlich ist.
Gleichzeitig erwarten sie digitale Einfachheit: vom Ticketkauf bis zur Information vor Ort. Deshalb investieren wir sowohl in digitale Prozesse als auch in das, was uns als Gastgeber ausmacht.
Ich glaube sogar, dass Gastfreundschaft heute wichtiger ist als je zuvor. Je digitaler unsere Welt wird, desto mehr sehnen sich Menschen nach echten Begegnungen. Genau diese möchten wir an Bord schaffen.


