Gutachten sieht großen Bedarf an digitaler Besucherlenkung in Naturregionen

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Überfüllte Wanderwege, zugeparkte Zufahrtsstraßen und vermüllte Natur: Die Corona-Pandemie hat die Anziehungskraft der nordrhein-westfälischen Naturräume auf Gäste noch einmal verstärkt und mitunter zu unerwünschten Nebeneffekten geführt. Ein von Tourismus NRW beauftragtes Gutachten empfiehlt dringend ein digitales Besuchermanagementsystem und stellt passende Möglichkeiten vor. Klar ist: Günstig würden entsprechende Vorkehrungen nicht.

Den Vorschlägen zufolge sollte zunächst digitale Technik an bestimmten Punkten wie Wanderparkplätzen installiert werden, um Auslastungsdaten zu erheben. Diese Daten könnten im bestehenden landesweiten touristischen Data Hub NRW gesammelt und von dort aus über unterschiedliche Kanäle in Echtzeit an die Gäste ausgespielt werden. Zugleich sollten den Gästen Alternativen zu ausgelasteten Orten angezeigt werden, um sie so zur Ansteuerung eines alternativen Ziels zu bewegen.

Für ein sinnvolles Besuchermanagement in den Großschutzgebieten in Nordrhein-Westfalen, also dem Nationalpark Eifel sowie den zwölf Naturparken im Land, müssten laut Gutachter Dr. Dirk Schmücker vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) nach Rücksprache mit den Schutzgebieten insgesamt etwa 300 Messstellen installiert werden. Eine zusätzliche Herausforderung stellt dabei die oft fehlende Infrastruktur dar: An vielen gewünschten Messpunkten gibt es keinen Strom oder kein Mobilfunknetz. Dies treibt die Umsetzungskosten zusätzlich in die Höhe.

Insgesamt kalkuliert der Gutachter mit Anschubkosten in Höhe von gut 3,3 Millionen Euro. Bei einem dreijährigen Projekt geht er darüber hinaus von laufenden Gesamtkosten in Höhe von knapp 4,2 Millionen Euro aus. Und auch nach einem Projektabschluss müsste die Infrastruktur weiter betrieben und gemanagt werden. Die Umsetzung sowie entsprechende Fördermöglichkeiten werden aktuell geprüft.

Tourismus NRW hatte die Machbarkeitsstudie mit dem Titel „Smart Destination in den Großschutzgebieten NRWs“ im Januar 2021 in Auftrag gegeben, um Möglichkeiten für ein Leitsystem zur umweltsensitiven Besucherlenkung zu eruieren, das Interessenkonflikte zwischen Gästen, Einheimischen und der Natur verringert und den Naturraum damit schützt. Finanziert wurde das Gutachten vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium.

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