3 Fragen an … Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen

Oliver P. Kuhrt ist seit 2014 Geschäftsführer der Messe Essen. Nach dem Corona-Einbruch blickt er positiv auf die kommende Zeit und glaubt an die Zugkraft von Messen. 

Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Messe Essen GmbH

Nach zwei Jahren Pandemie stehen die Zeichen für den Sommer auf Entspannung. Wie ist die aktuelle Situation in der Messe Essen?

Erfreulicherweise verzeichnen wir bereits seit März wieder ein sehr lebendiges Messegeschäft. Große Verbrauchermessen wie die Equitana und hochspezialisierte Fachmessen wie die Altenpflege haben in diesem Frühjahr bewiesen, dass die Nachfrage nach Messen auch nach der pandemiebedingten Pause ungebrochen ist. Im Gegenteil: Die Wirtschaft braucht gerade jetzt Messen als Wachstumsmotor. Das zeigt uns auch die starke Resonanz von Gastveranstaltern. So konnten wir allein im letzten Jahr rund zehn neue Messen nach Essen holen, darunter Premieren wie die Cable Car World oder Kult-Conventions wie die GLOW. Dementsprechend stehen wir in der Tat vor einem Sommer voller Veranstaltungshighlights.

Während der Pandemie wurde vieles in den virtuellen Raum verlegt. Wie sieht die Zukunft für Messen, Tagungen und Kongresse aus? Wie positioniert sich die Messe Essen hier?

Unser wachsendes Neugeschäft und auch die Reaktionen unserer Austeller:innen und Besucher:innen zeigen, dass sie sich den persönlichen Austausch wünschen. Die Menschen sind nach zwei Jahren des rein digitalen Austauschs müde. Außerdem haben unsere und auch die Erfahrungen an anderen Messeplätzen gezeigt, dass digitale Formate für die Beteiligten kaum wirtschaftlich sind. Gerade im B2B-Bereich mit seinen erklärungsbedürftigen Produkten sehen wir, dass der digitale Vertrieb nicht an die Erfolge des vertrauensvollen Gesprächs heranreicht. Für uns steht daher fest: Digitalität ist eine Ergänzung, aber kein Ersatz. Wir arbeiten daher zwar auch weiterhin an Online-Services, die die Messeteilnahme noch effizienter machen, unser Kerngeschäft bleiben jedoch Begegnungen im realen Raum.

Digitalität ist eine Ergänzung, aber kein Ersatz. 

Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer Messe Essen

Sie sind gelernter Hotelkaufmann, haben Hotels und auch eine ganze Hotel- und Touristik-Gruppe geführt sowie bei DB Reise & Touristik den Bereich Marketing Strategie & Services verantwortet, bringen also viel Erfahrung aus klassischen touristischen Bereichen mit. Wo nutzen Ihnen diese Erfahrungen heute ganz konkret?

Die Messebranche hat unglaublich viel mit der Touristik gemeinsam. Zunächst einmal geht es darum, Menschen aus der ganzen Welt willkommen zu heißen. Einige von ihnen kommen aus geschäftlichen Gründen, andere wollen einfach Spaß auf einer Verbrauchermesse haben. In beiden Fällen sind sie für eine kurze Zeit unsere Gäste. Wir möchten Ihnen einen angenehmen Aufenthalt bereiten – ganz so, wie es auch in der Hotellerie der Fall ist.

In Sachen Service gibt es ebenfalls viele Übereinstimmungen. Hotelgäste und Messeteilnehmer:innen möchten individuell und zuvorkommend behandelt werden. Zudem haben sie oft besondere Ansprüche, die wir erfüllen möchten. Dass es offenbar eine gute Idee ist, die Regeln der 5*-Hotellerie auf das Messegeschäft zu übertragen, belegen die regelmäßigen Auszeichnungen der Messe Essen als Messeplatz mit der besten Servicequalität.

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